Bauernliste: Keine Wahltaktik, sondern Landwirtschaftspolitik
In der heutigen Zentralschweiz am Sonntag wird publik gemacht, woran im Hintergrund schon seit einigen Wochen intensiv gearbeitet wurde. Allerdings nicht etwa von der Parteispitze, sondern von Frauen und Männern in der Nähe der CVP, welche selber landwirtschafspolitisch aktiv sind und die Chance einer "Bauernliste" erkannten. Heute stand die wahltaktische Frage im Mittelpunkt der Berichterstattung. Hoffentlich wird bald eine inhaltliche landwirtschaftspolitische Debatte folgen.
Zwar habe ich auch einmal regelmässig Kühe gemolken und bin jahrelang im Herlisberg im Landdienst gewesen, aber deswegen betrachte ich mich nicht als Landwirtschaftspolitiker. Aus meiner - beschränkten - Sicht des Parteipräsidenten halte ich folgendes fest:
- Die landwirtschaftliche Bevölkerung muss unbedingt darauf achten, weiterhin von Exponenten verschiedener politischer Parteien vertreten zu werden. Denn gewinnt die Gesamtbevölkerung den Eindruck, die am rechten Rand politisierende grösste nationale Partei sei deren einzige Vertretung, dann könnte es mit der Solidarität schnell mal vorbei sein. Denn solange eine Branche derart auf geschicktes staatliches Agieren und auf viel Steuergeld angewiesen ist, solange müssen ihre Anliegen mehrheitsfähig sein. Und die Mehrheit liegt bekanntlich in der Mitte, nicht rechts und auch nicht links.
- Die Bäuerinnen und Bauer sollen auch jene Stimmen aus ihren eigenen Kreisen hören, welche sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen wollen, um die Branche zu stärken. Denn ein Zurück zu völlig abgeschotteten und staatlich regulierten Märkten (Stichwort: Kontigentierung) wird es wohl kaum mehr geben.
- Für die CVP ist die Tatsache, dass sich in den eigenen Kreisen bäuerlich geprägte Politikerinnen und Politiker derart aktiv regen wie jetzt ein Glücksfall. Denn die ländliche Bevölkerung geht mehr als andere an die Urnen, sie wählt häufig den eigenen Stand. Ihnen wird nun aufgezeigt, dass es in der CVP viele gute, ja hervorragende Landwirtschaftspolitikerinnen und -politiker gibt, denen man vielleicht besser vertraut als anderen.
Fazit: Die "Bauernliste" - wie sie im Moment noch heisst - sorgt für eine klassische Win-win-Situation: Sie hilft der Landwirtschaft und sie hilft natürlich dank der Listenverbindung der CVP.
Wenn nun von anderer Seite von wahltaktischem "Trickli" und dergleichem die Rede ist, so ist das zu durchsichtig. Denn gerade die nun kritisierende Partei bedient sich seit Jahren unterschiedlicher Listenverbindungen - unter anderem über Seniorenlisten. Dort werden Personen nominiert, die nie und nimmer den Willen haben, ins Parlament einzutreten. Diejenigen Personen aber, welche auf der CVP-nahen Bauernliste kandidieren, wollen gewählt werden.
Das Schlechtreden dieser Liste durch die Konkurrenz hat ihre Logik darin, dass sie ernst zu nehmen ist. Uns soll's recht sein.
(Kopie 1)
"Bauernliste: Keine Wahltaktik, sondern Landwirtschaftspolitik"
Dienstag, 16-08-11 11:39
